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Sara schreibt.

Was am Ende zählt.

  • Autorenbild: Sara Dallmann
    Sara Dallmann
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Schon als Kind wollte ich vorbereitet sein. Ich stellte mir vor, wie meine Eltern und Geschwister mich zu Grabe tragen. Der Sarg war offen. Ich lag auf dem Rücken, gemütlich auf flauschigen Kissen, und schaute meiner etwas verstört wirkenden Familie in die Augen. Ich selbst war zufrieden, hatte ich doch die richtige Klamottenwahl getroffen: meinen weißen Frottee-Schlafanzug. Mit ganz viel eingewebtem Eis am Stiel darauf. Der Kombination aus Gemütlichkeit und Verfügbarkeit von Eis wollte ich mir auch über den Tod hinaus gewiss sein. Und habe meine Eltern umgehend über die Auswahl meines Beerdigungs-Outfits informiert.

Ich gebe zu: Die tatsächliche Endlichkeit des menschlichen Ablebens habe ich in dem Alter offenbar noch nicht ganz abschätzen können. Aber das Leben vom Ende her zu denken, ist mir wohl schon früh in den Sinn gekommen. Heute, in der statistischen Mitte meines Lebens angekommen, stelle ich mir oft Fragen wie: Wer möchte ich am Ende meines Lebens gewesen sein? Welches Leben möchte ich gelebt haben? Was möchte ich erlebt, was gelernt oder verstanden haben? Welche Gefühle und Gedanken möchte ich gefühlt und gedacht haben?

Diese Fragen beschäftigen mich immer wieder. Sie fordern und treiben mich an. Und ich gebe es zu, sie vermitteln eine vermeintlich grenzenlose Auswahl an möglichen Antworten. Als gleiche mein Leben einem unendlichen Kartografiewerk – einem Netz aus Pfaden, die sich weiten, kreuzen und nur darauf warten, durchschritten zu werden, einer herrlicher als der andere. Gäbe es da nicht die kleine, aber wesentliche Limitierung, dass ich ich bin – mit meinen inneren und äußeren Kapazitäten, aber auch Grenzen. Und dass ich nur dieses eine Leben habe und nicht unendlich viele Versuche.

Diese, ich nenne sie mal, Rahmenbedingungen, nehme ich ernst auf der Suche nach meinen Antworten. Umso wichtiger ist es mir, immer wieder zu prüfen, welchen Antworten ich näher gekommen bin, ob ich bereits erfolgte Antworten noch als valide erlebe und welche anderen Fragen in mir laut werden.

Meine Antworten haben mich geprägt. Sie zu finden, hat mir ermöglicht, einschätzen zu können, was mir in meinem Leben wichtig ist, klare Entscheidungen zu treffen, bewusst Risiken einzugehen, aber auch Sicherheit zu finden und gut für mich sorgen zu können. Nicht zuletzt haben sie mir auch ermöglicht, inzwischen als Coachin für FLINTA* zu arbeiten und nach Norwegen zu ziehen.

Was ich besonders liebe: Ich muss sie nicht immer groß denken. Ganz im Gegenteil kann ich mich auch jetzt gerade, an diesem Dienstagmittag, fragen: Was kann ich jetzt tun, damit es mir gleich (noch) etwas besser geht? Oder: Wie will ich mich fühlen, wenn ich heute Abend im Bett liege? Was brauche ich jetzt dafür?    

Gerade fällt meine Antwort eher schlicht aus: Ich denke, ein Kaffee wird mir guttun und etwas Bequemeres zum Anziehen – beides eigentlich gar nicht so weit entfernt von meinen Präferenzen als Kind. ;)

Sara Dallmann läuft lächelnd durch die Natur.

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