Wenn Wünsche fordern.
- Sara Dallmann

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Ich war 15, als er das erste Mal kam. Zusammen mit meinem Vater fuhren zwei meiner Geschwister und ich durch das Landesinnere Norwegens. Umgeben von Bergen, Wasserfällen, vorbei an Fjorden, Seen, Wäldern. Egal, wie ich meinen Kopf drehte, ob ich mich streckte, nach hinten schaute, vorübergehend die Augen schloss, um zu überprüfen, ob diese „Situation“ wirklich echt war – sie war es. Und das, was währenddessen in mir vonstattenging, sollte nie wieder aufhören.
Was passiert mit einer 15-Jährigen, deren bisherige Welt in einer Sekte stattfand – in der Kreationismus, die Angst vor Verdammung, die Realität von Dämonen, infolge dessen Exorzismus und die andauernde Unterwerfung unter eine Wahrheit, die sie weder emotional noch intellektuell verstand, Alltag waren? Die das Konzept von Urlaub kaum kannte? Und die bisher keine für sie relevante Naturerfahrung gemacht hat? Und sich dann hier wiederfindet? –
Wie gerne würde ich jetzt von einer großen Erkenntnis schreiben, meinem Ausbruch aus den Strukturen, einer Art Befreiung. Aber nein. In mir entstand etwas anderes, vermeintlich Kleines, fast Harmloses: ein Wunsch.
Dieser Wunsch war anders als die, die mein 15-jähriges Ich bis dahin kannte. Er erzählte mir von einem anderen Leben. Von Landschaften, die mir eine fast schmerzhafte Freiheit entgegenwarfen. Von geometrischer und physischer Weite, die mein Gehirn dazu verleiteten, über ein Leben außerhalb von Begrenzung und Unterwerfung zu fantasieren. Von einer Naturästhetik, deren Schönheit sich nicht aus Gefälligkeit oder Normierung speist, sondern sich roh und ungezähmt zeigt.
Nach dem Urlaub kam der Alltag in Form meines Lebens, das ich, zumindest im Außen, erwartungsgemäß weiterlebte. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen, dass jedoch ein nicht kleiner Teil in mir den Erzählungen meines Wunsches Glauben schenkte. So fand ich mich immer wieder in Reisebüros, fragend nach Skandinavien-Broschüren. Kurze Zeit später begann ich im Selbststudium Norwegisch zu lernen. Auch meinem Kopf schenkte ich mehr Freiheit. Ich beschäftigte mich mit Philosophie und fand größten Gefallen an dieser gedanklichen Flexibilität und Weite.
Mein Wunsch hatte unterschiedliche Erscheinungsformen. Mal erlebte ich ihn als tröstend, als eine Erinnerung daran, dass das Leben mehr ist als meines. In anderen Momenten fast anklagend, als Korrektiv, nach diesem Anderen auch zu streben, es zu suchen. Immer war er da.
Manchmal wollte ich ihn nicht. Dann habe ich ihn genommen, wie einen Gegenstand und habe ihn weit weg geworfen. – Und ZACK lag er wieder vor mir. Mein Wunsch war ein Bumerang. Ein Objekt, dass physikalisch nicht geradeaus fliegen kann. Seine asymmetrische Form erzeugt ungleichen Auftrieb und zwingt ihn auf eine Kreisbahn. Kurz gesagt: Egal, wie viel Kraft ich aufgewandt habe, um ihn loszuwerden: Der Bumerang nutzte meine gesamte Energie nur dafür, den Bogen zurück zu mir zu schlagen. Da lag er dann wieder vor mir, der Wunsch.
Heute, viele Jahre später, kann ich sagen, dass ich mich aus diesen schwierigen Strukturen lösen konnte, dass ich ein selbstbestimmtes Leben führen darf, das reich ist an Inspiration. Ein Leben, in dem ich frei denken darf, in dem Diskurse stattfinden und ich Position beziehe.
Mein Wunsch? Er hat mich mein ganzes Leben gefordert und tut es noch heute. Ich glaube, er steht für beides: für meine Sehnsucht, diese Natur zu erfahren, zu spüren, in ihr und Teil von ihr zu sein. Und gleichzeitig auch in mir und meinem Kopf diese Weite und Tiefe erleben zu dürfen.
Während ich diesen Text schreibe, schaue ich in die Weite. Ich sehe Berge und ganz weit hinten einen kleinen Zipfel Fjord.

Welcher Wunsch oder welche Sehnsucht kehrt auch in deinem Leben wie ein Bumerang immer wieder zu dir zurück – egal, wie sehr du versuchst, ihn beiseitezuschieben?
Wenn du dir auf deinem Weg eine feinfühlige und professionelle Begleitung wünschst, bin ich gerne für dich da. Lass uns deine Fragen im Life-Coaching oder Business-Coaching gemeinsam bewegen.
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